Anregendes

2050 werden zwei Drittel der Menschheit in Städten leben
Bundesbauministerin Barbara Hendricks pocht auf eine engere Zusammenarbeit, um die Probleme durch die weltweit rasant wachsenden Städte in den Griff zu bekommen.
„Es kommt darauf an, in die richtige Infrastruktur zu investieren. Dafür brauchen die Städte Unterstützung“, sagte sie vor dem Auftakt des dritten UN-Siedlungsgipfels „Habitat III“, der vom 17. bis zum 20. Oktober 2016 in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito stattfindet.
An der Konferenz nehmen Politiker und Experten aus 180 Ländern teil. Es soll eine neue „Stadtagenda“ verabschiedet werden, die nicht bindend ist, aber als globale Richtschnur dienen soll.
In den Städten wird auch die Klimafrage entschieden
Rund 70 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen fallen in Städten an. Daher sollen mehr Elektro-Autos, Rad- und Nahverkehr helfen, das Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. 54,5 Prozent der Weltbevölkerung leben heute bereits in Städten, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern wachsen die Megacitys mit zehn Millionen Einwohnern und mehr. Viele arme Bewohner leiden weltweit unter Verdrängung und hohen Preisen – deshalb werden in Quito auch soziale Maßnahmen zur Vermeidung von immer größeren Slums beraten.
„In den Städten liegen die Schlüssel für eine nachhaltige und klimagerechte Welt“, sagte Hendricks (SPD). „Sie müssen in die Lage versetzt werden, die Ansprüche ihrer Bewohner auf menschenwürdiges Wohnen, auf Zugang zu Energie, sauberem Wasser oder Abwasser- und Abfallentsorgung, aber auch auf Bildung und Teilhabe zu erfüllen.“
Quelle: http://www.3sat.de/page/?source=/nano/gesellschaft/189366/index.html
5-Min.-Video: http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=62312


“Das Wunder von Mals”

MalsEine kleine Vinschgauer Gemeinde zeigt uns allen, wie sich Bürger_innen gegen allmächtige Politiker_innen, Konzerne, Korruptionisten, Oligarchen, Patriarchen und andere Mächte erfolgreich zur Wehr setzen. Hier ist von einer harten aber wundersam-schönen Geschichte mit Happy-End die Rede. Uns allen zur Nachahmung empfohlen!
Ganz Südtirol wurde von Apfel-Monokulturen niedergewalzt … Ganz Südtirol? Nein! Ein von unbeugsamen Vinschgern bevölkertes Dorf im Obervinschgau hört nicht auf, den Apfelbaronen Widerstand zu leisten. Gemeinsam macht man der Apfel-Lobby im Bauernbund, in der Landesregierung, in der Pharmaindustrie und in den Medien das Leben schwer …
Für Monsanto, Bayer und all die anderen Giftmischer hat ein Alptraum begonnen. Ein kleines, beinahe unscheinbares Dorf verbannt ihre Produkte radikal aus seinem  Gemeindegebiet. Allen verhüllten und unverhüllten Drohungen zum Trotz ist Mals jetzt nicht nur die erste ,pestizidfreie Gemeinde‘ Südtirols. Sie ist die erste dieser Art in Europa. Und macht mit ihrem Beispiel weltweit Schule.
Regisseur Alexander Schiebel erzählt, wie menschengerechte Demokratie gemacht wird: „Letzten Sonntag erlangt Bürgermeister Veith, der sich immer um die Umsetzung der Volksabstimmung bemühte, eine 2/3 Mehrheit im Gemeinderat in Mals. Auf seiner Liste befinden sich ausschließlich Menschen, die den Willen des Volkes respektieren werden … viele uns wohlbekannte Gesichter aus unserem kleinen ‚gallischen‘ Dorf im Vinschgau.“
Der sehr empfehlenswerte 10-Min.-Trailer (ein eigenes kleines Wunder!): https://vimeo.com/131024364
Berichte: http://futurzwei.org/#683-gemeinde-mals und https://tirolischtoll.wordpress.com/2016/02/13/mals-im-obervinschgau-das-waterloo-der-giftkonzerne
Der Dokumentarfilm wird gedreht: http://wundervonmals.com/crowdfunding
Das Ergebnis der Volksabstimmung: www.gemeinde.mals.bz.it/system/web/zusatzseite.aspx?menuonr=224985774&detailonr=224985748
Weitere Infos: www.hollawint.com


Alternative zum allmächtigen Bruttoinlandsprodukt
„Das BIP steigt fast jedes Jahr. Und der Wohlfahrtsindex?
Zwischen dem Beginn unserer Berechnungen 1991 und dem Jahr 2000 gibt es eine mehr oder minder parallele Entwicklung. Danach gehen die Werte auseinander. Das BIP steigt weiter, während der Wohlfahrtsindex zurückgeht. Das hängt zum großen Teil damit zusammen, dass damals die Einkommen immer ungleicher verteilt wurden. Später, in der Krise, gab es eine andere Situation: Das BIP ging um ungefähr fünf Prozent zurück, der Wohlfahrtsindex veränderte sich kaum. Daran kann man sehen, dass die Krise durch eine gute Arbeitsmarktpolitik bei den Menschen nicht angekommen ist. Die Konsumausgaben haben sich kaum verändert, die Einkommen wurden etwas gleicher verteilt.
Wie sehen die neuesten Entwicklungen aus?
Nach der Krise 2009 ist das BIP wieder deutlich gestiegen. Bis 2012 hat sich der Wohlfahrtsindex hingegen kaum verändert. Damit ist der Unterschied zwischen beiden Indizes wieder größer geworden.“
Aus einem Interview mit Hans Diefenbacher, Leiter des Arbeitsbereichs Frieden und Nachhaltige Entwicklung des von der evangelischen Kirche finanzierten Instituts für interdisziplinäre Forschung in Heidelberg.
Quelle und das ganze Interview: www.freitag.de/autoren/felix-werdermann/weg-vom-bip-wachstumswahn


 Lebensräume gestalten

Selbstorganisation und resiliente Stadtentwicklung

… es ist zu beobachten, dass, vor allem in Städten und verdichteten Regionen, kulturelle und soziale Praktiken zunehmen …, die auf das Gemeinwohl ausgerichtet sind und vermehrt unser Bild von Urbanität prägen. Eine neue emanzipative Bürgerschaft übt Kritik an eingeschränkter Freiheit in Städten, die beispielsweise durch zunehmende Privatisierung öffentlicher Räume, einen normierten Wohnungsbau oder durch unbezahlbare Mieten forciert wird. KünstlerInnen, oft in Kooperation mit StadtbewohnerInnen, beteiligen sich an dieser Kritik, jedoch nicht nur, indem sie protestieren, sondern indem sie konkret andere Lebensräume in ihrer lokalen Umgebung gestalten. Beispielhaft zeigen sich solche Praktiken des Do-it-yourself heute in Form von Share economies, experimentellen Wohnformen, Tauschbörsen, Nachbarschaftsnetzwerken, der Commons-Bewegung, Urban-Farming, Fablabs, Low-Tech oder Upcycling etc. Verschiedenste und oft sehr heterogene AkteurInnen agieren hier miteinander, um alternative Lebensmodelle zu erschaffen, die jenseits offizieller Instanzen von Politik, Wirtschaft und Stadtentwicklung entstehen. Soziale Innovation steht also heute nicht nur auf der offiziellen Agenda avancierter städtischer Entwicklungsstrategien und Politik, sondern wird von vielen nicht offiziell eingebundenen AkteurInnen alltäglich praktiziert. Die wichtigste Frage wird also sein, inwieweit Städte zukünftig in der Lage sein werden, solche Initiativen konstruktiv in ihre Prozesse einzubinden. Wenn in diesem Zusammenhang von urbaner Resilienz gesprochen wird, ist die Krisenstandhaftigkeit von Städten stark an diese soziale Komponente gebunden. Aus diesem Grund gilt es als Schlüsselfaktoren urbaner (und damit immer auch sozialer) Resilienz, Modelle erfolgreicher bürgerlicher Selbstorganisation zu integrieren. Um diese Qualitäten als Ressourcen für eine resiliente Stadtentwicklung zu nutzen, bedarf es neuer Kooperationsverfahren. Es reicht nicht aus, Stadtbewohner – allzu oft nur als Alibi – bloß an Planungen partizipieren zu lassen oder nur zu informieren. Gebraucht werden Verfahren, die die Selbstorganisation fördern und die daraus entstehenden Forderungen sinnvoll in konkrete Maßnahmen umsetzen.
… wie kann man Bedingungen schaffen, damit es praktiziert und auch in der Stadt öffentlich sichtbar wird? Die Stärkung des Lokalen wird hier keineswegs an das Gedankengut konservativer, territorialer Heimatideologien geknüpft, sondern daran, konkrete Kompetenzen der BewohnerInnen vor Ort zu stärken und Bedingungen zu schaffen, damit diese gelebt werden können.
… Das Gemeinwohl der BewohnerInnen vor Ort steht … im Zentrum und nicht die Vorstellung, die Projekte zu vergrößern und maximal rentabel zu machen.
… Projekte verlaufen mitnichten nur harmonisch, sondern sie basieren auf einem Freundschaftskonzept, das Fremdheit nicht harmonisiert, sondern durchaus auch konflktuös öffentlich verhandelt. Gerade darin liegt der Wert der Freundschaft: Sie hält Konflikte und Fremdheit aus und ist nicht primär funktionsorientiert. Freundschaft schafft eine Sozialität, in der Differenzen verhandelt werden und nicht zum Abbruch einer Beziehung führen, so dass Anderes entstehen kann.
… In diesem Sinne meint freundschaftliches Zusammenleben auch, dass durch die Integration des Fremden neue soziale Konstellationen entstehen, in denen heterogene Akteure Komplizenschaften miteinander eingehen können.
Um die Demokratisierungsanforderungen durch die Beteiligung von BürgerInnen aufzunehmen, wird Stadtentwicklung nicht mehr nur von analysier- und berechenbaren Faktoren bestimmt, sondern immer mehr vom taktischen Aufgreifen von Chancen und vom Eingreifen von Initiativen, die auf regionaler Diplomatie basieren.

Gesa Ziemer, Professorin für Kulturtheorie HafenCity Universität Hamburg.
Aus dem Artikel „Über das freundschaftliche Zusammenleben im urbanen Raum“,
erschienen in „Konvivialismus. Eine Debatte“, transcript verlag 2015.


Commons

Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat

Commons – die Welt gehört uns allen! Die nicht enden wollende globale Finanzkrise zeigt: Markt und Staat haben versagt. Deshalb verwundert es nicht, dass die Commons, die Idee der gemeinschaftlichen Organisation und Nutzung von Gemeingütern und Ressourcen, starken Zuspruch erfahren – nicht erst seit dem Wirtschaftsnobelpreis für Elinor Ostrom. Commons sind wichtiger denn je. Sie beruhen nicht auf der Idee der Knappheit, sondern schöpfen aus der Fülle.
Dieser Band mit Beiträgen von 90 internationalen Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft stellt ein modernes Konzept der Commons vor, das klassische Grundannahmen der Wirtschafts- und Gütertheorie radikal in Frage stellt und eine andere Kultur des Miteinanders skizziert.
Das Buch: http://band1.dieweltdercommons.de

Silke Helfrich / David Bollier / Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.)

Die Welt der Commons

Muster gemeinsamen Handelns

Die Logik des Kapitalismus heißt teilen. Nur teilen darin nicht die Menschen, sondern sie werden geteilt. Es ist daher problematisch, Commons in kapitalistischen Kategorien zu erklären. Wer die Welt der Commons betritt, begegnet einer anderen Logik, einer anderen Sprache und anderen Kategorien.
Nach »Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat« (2012) erkunden in diesem Band Autorinnen und Autoren aller Kontinente die anthropologischen Grundlagen der
Commons und stellen sie zugleich als konkrete Utopien vor. Sie machen nachvollziehbar, dass alles Commons sein oder werden kann: durch Prozesse geteilter Verantwortung, in Laboratorien für Selbstorganisation und durch Freiheit in Verbundenheit. Commoners realisieren, was schon heute machbar ist und morgen selbstverständlich sein wird. Das zeigen über 40 Beispiele aus aller Welt.
Dieses Buch erweitert unseren Möglichkeitssinn für die Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft.
Mit Beiträgen u.a. von Nigel C. Gibson, Marianne Gronemeyer, Helmut Leitner, Étienne Le Roy, Andreas Weber, Rosa Luxemburg, Anne Salmond und David Sloan Wilson.
Das Buch: http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3245-3/die-welt-der-commons

Les Convivialistes

Das konvivialistische Manifest

Für eine neue Kunst des Zusammenlebens
(herausgegeben von Frank Adloff und Claus Leggewie in Zusammenarbeit mit dem Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research Duisburg, übersetzt aus dem Französischen von Eva Moldenhauer)

Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist auch absolut notwendig. Die globalen Probleme des Klimawandels, der Armut, sozialen Ungleichheit oder der Finanzkrise erfordern ein Umdenken und veränderte Formen des Zusammenlebens. Viele Bewegungen, Initiativen und Gruppierungen suchen aktuell schon nach alternativen Wegen.
Ihnen allen gemeinsam ist das Streben nach einer neuen Kunst, miteinander zu leben (con-vivere). Konvivialismus bedeutet das Ausloten von Möglichkeiten, wie jenseits der Wachstumsgesellschaft ein Zusammenleben möglich sein kann, wie Sozialität, Konflikt und Individualität aufeinander bezogen werden und wie ökologisch und sozial nachhaltige Formen demokratischen Lebens ausschauen können. Eine neue politische Philosophie erscheint daher dringend geboten, und das weltweit diskutierte Manifest renommierter Autoren stellt als Minimalforderung klar: Eine solche neue Philosophie und Kunst des Zusammenlebens muss den Primat des Ökonomischen brechen und sich auf eine gemeinsame Menschheit und auf den Wert der Individualität zugleich berufen.
Website zum Buch: http://www.diekonvivialisten.de.

Frank Adloff / Volker M. Heins (Hg.)

Konvivialismus. Eine Debatte

Das »Konvivialistische Manifest« (2014 auf Deutsch erschienen) hat die globale Debatte um die Frage neu formatiert, wie wir das Zusammenleben angesichts von Klimakatastrophe und Finanzkrisen gestalten wollen und müssen. Die Beiträge dieses Bandes eröffnen nun die Diskussion um die Möglichkeiten und Grenzen des Manifests im deutschsprachigen Raum: Wo liegen seine Stärken, wo die Schwächen? Was hieße es, eine konviviale Gesellschaft anzustreben – in Politik, Kultur, Zivilgesellschaft und Wirtschaft?
Welche neuen Formen des Zusammenlebens sind wünschenswert und welche Chancen bestehen, sie durchzusetzen?
Ein Buch nicht nur für Sozial- und Kulturwissenschaftler_innen, sondern auch für zivilgesellschaftliche Akteure und die interessierte Öffentlichkeit.
Mit Beiträgen u.a. von Micha Brumlik, Christian Felber, Naika Foroutan, Silke Helfrich, Claus Leggewie, Stephan Lessenich, Steffen Mau, Franz Walter und Gesa Ziemer.
Das Buch: http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3184-5/konvivialismus.-eine-debatte


Alternativen für eine Alterssicherung auf kommunaler Ebene
„Kirsten Dohmwirth studiert VWL und Ehtnologie an der Georg-August-Universität in Göttingen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts beschäftigt sie sich mit der Frage, inwiefern Kommunen eine neue Form der Alterssicherung darstellen können. Sie besuchte dafür unter anderem die Kommune Niederkaufungen und die Villa Locomuna. Im Interview hat sie mir erzählt, welche Beobachtungen sie dort machte.
Die soziale Sicherung darf für einen Übergang zu einer Postwachstumsgesellschaft nicht mehr nur durch finanzielle Unterstützung organisiert werden, die über Verträge geregelt wird und juristisch einklagbar ist. Vielmehr geht es um die Frage, wie wir verlässliche Beziehungen und Gemeinschaften aufbauen können. Eine auf verlässliche Beziehungen fußende Sicherung wird mit Hilfe von moralischer Verpflichtung garantiert. Sie ermöglicht situativ und individuell angepasste Unterstützungsleistungen. Ich sehe darin eine Chance, Sicherung außerhalb kapitalistischer Zwänge zu organisieren.“
Das Interview: www.freitag.de/autoren/schlachtreif/jenseits-von-wachstumszwaengen-1


Bücher, Interviews, Berichte und weitere Ideen für unser Bündnis

    • Fabian Scheidler

DAS ENDE DER MEGAMASCHINE – Geschichte einer scheiternden Zivilisation
Ein Ausstieg aus der Megamaschine ist machbar. ine umfassende Transformation ist daher unvermeidbar, ob wir wollen oder nicht. Die Frage ist nicht, ob sie kommt, sondern lediglich, wie sie aussehen wird: Wird sie von reaktionären Kräften bestimmt, die ihre Macht und Privilegien mit allen Mitteln weiter aufrecht zu erhalten versuchen, auch um den Preis von Massenverelendung und eines ruinierten Planeten? Oder können emanzipatorische Kräfte die Krisen und Brüche nutzen, um neue Formen des Wirtschaftens und der politischen Organisation auf den Weg zu bringen?
Im Moment zeichnet sich da eher so etwas wie ein reaktionärer „Coup d’Etat der Konzerne“ ab: Mithilfe von staatlichen und suprastaatlichen Akteuren wie der EU versuchen die ökomischen Eliten, ein neues Rechtssystem zu schaffen, um die Reste demokratischer Kontrolle auszuschalten und so eine Art neofeudales Tributsystem zu errichten, das ihre Profite in einer wankenden globalen Ökonomie sichern soll.
„Investitionsschutz“-Abkommen wie TTIP sind zum Beispiel ein Baustein in dieser Strategie. Die Ausschaltung der Demokratie sowie jeder makroökonomischen Vernunft im Erpressungsspiel gegen Griechenland ist ein anderes Beispiel. Hier sollen die Profite eines eigentlich längst bankrotten Zombiebankensystems gerettet werden, indem ein ganzes Land ausgeblutet und die Zukunft der EU aufs Spiel gesetzt wird.
Immerhin gibt es aber auch Hoffnungsschimmer: Immer mehr Menschen wachen langsam auf und wehren sich gegen diesen „Staatsstreich in Zeitlupe“, wie etwa der Widerstand gegen TTIP zeigt. Aber es sind immer noch viel zu wenige.
Überall auf der Welt sind längst Millionen Menschen dabei, Auswege aus der destruktiven Logik der endlosen Kapitalakkumulation zu suchen. Es geht darum, ökonomische Strukturen wieder in die Hand von Bürgerinnen und Bürgern zu bringen und die Logik des Profits durch eine Logik des Gemeinwohls zu ersetzen.
Die Energiewende von unten ist dafür ein gutes Beispiel. Wenn Menschen dafür kämpfen, ihre Stromversorgung den fossilen Riesen zu entreißen und sie in eine kommunale Genossenschaft überführen, die mit regionalen erneuerbaren Energien arbeitet, dann ist das nicht nur ein Beitrag zum Ausstieg aus Atomkraft, Kohle und Öl. Es ist auch eine Selbstermächtigung der Bürger, ein Akt echter Demokratie. Und es ist ein Beitrag zum Ausstieg aus der Logik endloser Geldvermehrung.
So etwas brauchen wir auf allen Ebenen. Es geht darum, uns zu fragen: Was brauchen wir für ein gutes Leben? Und diese Dinge dann in gemeinwohlorientierten Strukturen bereitzustellen, ob das die Wasser- und Gesundheitsversorgung ist, Ernährung oder Wohnen, ja sogar das Geldsystem. Das bedeutet natürlich auch, bisherige Macht- und Eigentumsverhältnisse herauszufordern. Das Charmante an einem solchen dezentralen, pluralen Ansatz ist, dass die Bürgerinnen und Bürger selbst vor Ort praktisch aktiv werden können, Erfolgserlebnisse haben und nicht auf eine abstrakte Revolution irgendwann in der Zukunft warten müssen.
Aus dem Interview mit dem Autor: www.nachdenkseiten.de/?p=26641
Das Buch: www.mediashop.at/typolight/index.php/buecher/items/fabian-scheidler—das-ende-der-megamaschine – Promedia Verlag Wien, ISBN 978-3-85371-384-6, br., 272 Seiten, bebildert, 19,90 Euro
30-Minuten-Video-Gespräch: www.kontext-tv.de/sites/default/files/Megamaschine_neu.mp4

      • Der Publizist Christian Nürnberger veröffentlichte das Buch „Die verkaufte Demokratie – Wie unser Land dem Geld geopfert wird“. In seinem Buch Die verkaufte Demokratie legt der Journalist Christian Nürnberger die Zusammenhänge dar, wie die zivilisatorischen Errungenschaften der Nachkriegszeit, von willfährigen Politikern unterstützt, Stück für Stück dem Markt geopfert werden. Dabei setzt sich der enttäuschte SPD-Politiker und Ehemann der Fernsehmoderatorin Petra Gerster auch mit der Frage auseinander, wie die verloren gegangene Macht von den Bürgern wieder zurückerobert werden könnte.

Das Interview „An einer demokratiefreien Zone wird bereits gearbeitet“ auf seiner Homepage: http://christian-nuernberger.de/wort/

      • Jean Zieglers neues Buch: „Ändere die Welt! Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen“. Verlagsankündigung: Die Kriege sind zurück, Hunger und Not gehören auch in Europa wieder zum Alltag, aufklärungsfeindliches Denken gewinnt an Boden. Die Welt verfügt zum ersten Mal in ihrer Geschichte über die Ressourcen, Hunger, Krankheit, Tyrannei auszumerzen; und doch wird der Kampf um knappe Güter menschenverachtend in immer neuen Dimensionen ausgetragen. Jean Ziegler, der seit Jahrzehnten Elend, Unterdrückung und Ungerechtigkeit anprangert, blickt zurück und befragt sich selbst, was er mit seiner wissenschaftlichen und politischen Arbeit bewirkt hat. Warum gelang es den Menschen in den westlichen Gesellschaften bisher nicht, ihre inneren Ketten abzuschütteln, die sie hindern, frei zu denken und zu handeln? Ziegler ruft dazu auf, die Welt zu verändern und zu einer sozialen Ordnung beizutragen, die nicht auf Beherrschung und Ausbeutung basiert. Seine Hoffnung richtet sich auf eine neue weltumspannende Zivilgesellschaft, die antritt, die Ursachen der kannibalischen Weltordnung zu bekämpfen.

Das Buch: Verlag C. Bertelsmann, 288 Seiten, ISBN: 978-3-570-10256-5, € 19,99.

      • Der Journalist, Autor und Filmdokumentarist Harald Schumann über die Medien und seine Dokumentation „Macht ohne Kontrolle – Die Troika“: „Wir haben genau die Medien, die wir verdienen“, sagt der Journalist Harald Schumann im Interview mit Telepolis. Schumann, der 2004 beim Spiegel kündigte, nachdem eine Geschichte von ihm zum Thema Energiepolitik nur in veränderter Form erscheinen sollte, geht im Telepolis-Interview auf die aktuelle Kritik an den Medien ein und erzählt, was er bei seiner Arbeit zu der viel beachtenden Dokumentation „Macht ohne Kontrolle – Die Troika“ erlebt hat. Sein Fazit lautet: „Wenn man den Mächtigen nach dem Maul schreibt, bekommt man die besseren Honorare“

Das Schumann-Interview: www.heise.de/tp/artikel/44/44936/1.html

      • Prof. Dr. Gabriele Winker (Arbeitswissenschaft und Gender Studies TU Hamburg-Harburg) über „Care Revolution“ – Schritte in eine solidarische Gesellschaft

Viele Menschen geraten beim Versuch, gut für sich und andere zu sorgen, an die Grenzen ihrer Kräfte. Was als individuelles Versagen gegenüber den alltäglichen Anforderungen erscheint, ist jedoch Folge einer neoliberalen Krisenbearbeitung. Notwendig ist daher ein grundlegender Perspektivenwechsel – nicht weniger als eine Care Revolution.
Gabriele Winker entwickelt Schritte in eine solidarische Gesellschaft, die nicht mehr Profitmaximierung, sondern menschliche Bedürfnisse und insbesondere die Sorge umeinander ins Zentrum stellt. Ziel ist eine Welt, in der sich Menschen nicht mehr als Konkurrent_innen gegenüberstehen, sondern ihr je individuelles Leben gemeinschaftlich gestalten.

Viele Menschen geraten beim Versuch, gut für sich und andere zu sorgen, an die Grenzen ihrer Kräfte. Was als individuelles Versagen gegenüber den alltäglichen Anforderungen erscheint, ist jedoch Folge einer neoliberalen Krisenbearbeitung. Notwendig ist daher ein grundlegender Perspektivenwechsel – nicht weniger als eine »Care Revolution«. Gabriele Winker entwickelt Schritte in eine solidarische Gesellschaft, die nicht mehr Profitmaximierung, sondern menschliche Bedürfnisse und insbesondere die Sorge umeinander ins Zentrum stellt.

12,5-Minuten-Video mit Gabriele Winker über „Schritte in eine solidarische Gesellschaft“: www.youtube.com/embed/LbVlSxAT5fM

Ihr Buch erschien im Transkript Verlag, 208 Seiten, kart., ISBN 978-3-8376-3040-4, 12 €

      • „Mit dem arbeiten, was da ist – Offene Orte schaffen im Spannungsfeld von Zivilgesellschaft, Politik und Ökonomie“. Ein Artikel von Felicitas Sommer, erschienen in OYA 31/2015. Ihr Thema: „Das Gespräch suchen, Neues wagen und Nischen finden – solche Künste sind wichtig, um in Regionen … etwas zu bewegen.“

Der Text kann hier online gelesen werden: http://www.oya-online.de/article/read/1777-mit_dem_arbeiten_was_da_ist.html

Gabriele Winker: „… habe ich gelernt, dass Menschen als grundlegend aufeinander Angewiesene zu begreifen sind. Meine Vorstellung von einer solidarischen Gesellschaft, die ich als Ziel einer Care Revolution entwickele, baut deswegen auf menschliche Solidarität und Zusammenarbeit … Deswegen steht hinter dem Begriff der Care Revolution die Idee, diese Gruppen nicht nur über diesen Begriff zu verbinden, sondern darüber auch gegenseitig aufeinander zu verweisen und darüber eine sichtbare Care-Bewegung zu entwickeln … ist Care Revolution eine Strategie, die Reformen nutzt, damit möglichst viele Menschen bereits heute sinnvoller arbeiten und besser leben können, gleichzeitig aber in diesen Auseinandersetzungen erkennen, dass letztlich darüber hinausgehende gesellschaftliche Veränderungen erforderlich sind. Wichtig ist also, in sozialen Auseinandersetzungen um Reformen die Perspektive Anderer in den Blick zu nehmen, für die Inklusion aller Menschen einzutreten sowie eine grundlegende gesellschaftliche Teilhabe durch demokratische Strukturen einzufordern.

Interview: www.heise.de/tp/artikel/45/45185/1.html

      • „Konviviales Manifest“, Herausgeber Prof. Frank Adloff, Erlangen.Weshalb die Autoren den Begriff Konvivialismus (con-vivere, lat.: zusammenleben) gewählt haben, erläutert Prof. Frank Adloff: „Der Begriff soll zeigen, dass es darauf ankommt, eine neue Philosophie und praktische Formen des friedlichen Miteinanders zu entwickeln“ Es gebe bereits viele Formen des konvivialen Zusammenlebens. „Das Manifest will deutlich machen, dass eine andere Welt möglich ist, aber auch angesichts der Krisenszenarien absolut notwendig ist.“

www.fau.de/2015/02/news/panorama/es-gibt-schon-ein-richtiges-leben-im-falschen

Kostenloser Download des Konvivialistischen Manifests: www.diekonvivialisten.de

      • Michael Hirsch (*1966) ist Philosoph und Politikwissenschaftler. Er lebt als freier Autor und Dozent in München. „Die Kulturidee der Zukunft ist die Idee einer vielfältigen Existenz – die Überwindung des ‚eindimensionalen Menschen‘. Aber ist es ein Wunder, dass die uns bislang regierenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Eliten, die Arbeitsroboter und Klonkrieger der Lohnarbeitsgesellschaft, davon nichts verstehen?“

Seine Themen: Zwischen Utopie und Angst. Über den Umgang mit der Überflüssigkeit der eigenen kulturellen Arbeit; Ist die Zukunft der Arbeit tatsächlich weiblich?; Bedingungsloses Grundeinkommen!?; Was bedeutet eigentlich Politik?; Alternativen

Ein Artikel von ihm beleuchtet Fragen um die grundlegenden Formen des Gemeinwesens. Das betrifft nicht nur politische, sondern auch kulturelle Grundsatzentscheidungen über die Art und Weise unseres Zusammenlebens. Die gegenwärtige Unterordnung unter die Belange „der Wirtschaft“ ist eine solche Grundentscheidung, und zwar eine, die bis heute offensichtlich vom Konsens der Bevölkerung getragen wird. Was bedeutet das zunehmende Unbehagen an dieser Lage? Nachzulesen hier (Link öffnet sich wahrscheinlich nur, wenn er kopiert und eingesetzt wird): www.gazette.de/Archiv2/Gazette38/Hirsch.pdf

Sein Buch: Michael Hirsch, „Warum wir eine andere Gesellschaft brauchen!“, Verlag Louisoder, ISBN 978-3-944153-02-5, 13 €.

Zum Weiterdenken:

Konsumzwangfreie Stätten in der Stadt. Nachbarschaftsläden, konsumzwangfreie Cafés, Jugendtreffpunkte usw. fehlen allerorts. Es gibt zunehmend freie Läden, überall in der Stadt stehen sie leer. Sie könnten genutzt werden, um kulturelle und soziale Bindungen und Kommunikation der Menschen untereinander zu stärken und ihre Tatkraft, die oft brachliegt, zu motivieren. Doch wer zahlt die Mieten?

Beispiele zum Thema “Freiraum/Gemeinschaftsraum” – Die Stadt zurückerobern: www.freitag.de/autoren/sandro-abbate/koelner-erobern-die-stadt-zurueck; www.agorakoeln.de/
In ihrem Dokumentarfilm beobachtet die Kölner Filmemacherin Anna Ditges, was passiert, wenn Anwohner, Investoren, Politiker und Stadtplaner ihre ganz unterschiedlichen Vorstellungen von der Zukunft ihres Viertels unter einen Hut bringen müssen: http://wemgehoertdiestadt-derfilm.de/
“Wem gehört die Stadt Offenbach” versteht sich als Teil einer bundesweiten Bewegung von Initiativen und Bündnissen, die kritisch hinterfragen, wer über die Entwicklung von Wohraum und Lebensbereichen bestimmt und wie Stadtentwicklung betrieben wird: https://wemgehoertdiestadtof.wordpress.com/
Unter dem Slogan »Recht auf Stadt« haben sich in den letzten Jahren rund um den Globus vielfältige Bündnisse formiert. Recht auf Stadt Wien ist Teil dieser Bewegung. Wir setzen uns für ein Recht auf Stadt für alle ein und unter »alle« verstehen wir in erster Linie diejenigen, denen das »Recht auf Stadt« und somit das Recht auf aktive und gleichberechtigte Teilhabe und Gestaltung der urbanen Gesellschaft heute verwehrt wird …: http://rechtaufstadt.at/<

Direktdemokratie

Politiker-Watch: Was tun die von uns gewählten „Volksvertreter“, Abgeordneten, Mandatsträger, Politiker? Vertreten sie nur eigene Interessen oder die ihrer Klientel oder Partei oder Geldgeber? Sie sind nur ihrem Gewissen verantwortlich, heißt es. Uns gegenüber nicht? Wie wäre es, wenn wir sie in die Pflicht nehmen und kontrollieren bzw. zur Offenlegung ihrer Tätigkeiten herausfordern?
Eine österreichische Initiative macht es vor: http://www.meineabgeordneten.at

Vertical Farming – healthy, local food for schools. Ein Hilfsprojekt (auf einer Crowdfunding-Plattform gefunden) von „Association for Vertical Farming e.V.“, existiert in Germering. Ein Forschungsprojekt, das auch uns Anregungen geben kann: http://vertical-farming.net. Nachzuverfolgen auf der Crowdfunding-Seite: www.betterplace.org/de/projects/14663-vertical-farming-healthy-local-food-for-schools
Was muss geschehen, damit wir wählen, was uns nutzt?

Es schadet nicht, wenn wir nicht mehr wählen, was uns schadet! So denken Wahlverweigerer. Alternativen sehen sie nicht: Eyes wide shut. „Wenn sich Angehörige bestimmter Milieus aus der politischen Teilhabe durch Wahlen zurückziehen, wird die Legitimationsgrundlage der Demokratie unterminiert.“ So denken Akademiker und Politiker. Sie suchen nach Maßnahmen, um die Nichtwähler zum Wählen zu überreden. Doch zumeist wählen die so motivierten wieder, was ihnen schadet. Was muss geschehen, damit wir wählen, was uns nutzt?

„Die Höhe der Wahlbeteiligung lässt sich durchaus aus der sozialen Lage eines Viertels ableiten: Je ärmer ein Stadtteil, desto weniger Menschen wählen“, schreibt Armin Schäfer. Der Forscher vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln untersucht seit längerem den Zusammenhang von Wahlengagement und sozialer Lage. Schäfers Resümee: „Wir müssen aufpassen, dass nicht Teile der Bevölkerung von der politischen Teilhabe abgekoppelt werden.“ (Aus einem Bericht auf www.freitag.de/autoren/der-freitag/arm-abgehaengt-apolitisch)

Ein Kommentar von vielen unterhalb des Berichts nennt Alternativen:

      • Anstatt der üblichen Parteikämpen aus dem mittleren und oberen Feld, Beamten aus dem höheren Verwaltungsdienst, Wirtschaftsberatern und Soziussen aus Wirtschaftskanzleien werden ausschließlich Kandidat(inn)en aufgestellt, die in dem jeweiligen Bezirk verankert sind und sich nachweislich für diesen engagieren: alleinerziehende Mütter, der Besitzer des Zeitungskiosks nebenan, der Fliesenleger, die Kindergärtnerin, der engagierte Lehrer aus dem Schulrat der Gesamtschule, der Hartz-IV-Bezieher und so weiter. Motto: Nicht die übliche Nepotisten-Zielgruppe, sondern Kandidat(inn)en aus der Mitte der Bevölkerung.
      • Jeder dieser aufgestellten Kandidaten stellt drei stadtteilbezogene Projekte vor, die er im Fall seiner Wahl durchbringen will. Rechenschaftsberichte, den Stand der Dinge betreffend, sind zum Abschluss der Legislaturperiode obligatorisch.
      • Die Kandidat(inn)en richten in ihren Wahlbezirken ständige Büros ein, die als Ansprechstelle bzw. für öffentliche Sprechstunden permanent geöffnet sind. In diesem Rahmen finden periodische Rechenschaftsberichte statt, in denen der Abgeordnete oder die Abgeordnete Auskunft über ihre bzw. seine Tätigkeit als Abgeordneter gibt. Selbstverständlich gilt diese Regel auch für solche Abgeordnete, die Teil einer Regierung sind.

Weitere Vorschläge sind denkbar.
Wie können wir sie an unseren Lebensorten umsetzen, ohne Gesetze und Vorschriften zu verletzen?

Der spanischer Bürgermeister von El Coronil (Sevilla) sagt: «Politik ist Arbeit für die Allgemeinheit, alles andere ist Korruption». Hat er recht?

Bedenkenswerte Thesen:

Deutschland ist PEGIDA – Fremdenfeindliche Demokraten
» Je unsicherer die Rahmenbedingungen der eigenen Existenz sind oder auch nur erscheinen, desto größer dürfte die Tendenz sein, sonst unterdrückte, politisch als unkorrekt angesehene Sichtweisen – nicht zuletzt also „rechte“ – auch zu artikulieren … auch solche, die sich als liberal oder gar „links“ verstehen, denken zu Teilen aber ganz ähnlich, bewerten das jedoch nicht als „rechts“ … Falls wir es aber schon grundsätzlich als „rechts“ bezeichnen wollten, wenn überhaupt fremdenfeindliche Motive vorhanden sind, wären … die übergroße Mehrheit der Deutschen „rechts“. Dem widerspricht aber schon, dass sich sowohl in der Gesamtbevölkerung der BRD – da sind es über 90 Prozent – wie auch bei den befragten PEGIDA-Marschierern eine überwiegende Mehrheit zur Idee der Demokratie bekennt. Ein großer Teil der Deutschen insgesamt wie auch der PEGIDA-Anhänger sind also anscheinend – und zwar quer durch die Parteien – „fremdenfeindliche Demokraten“ … Im Unbewussten ist es überhaupt kein Problem, sich wechselseitig völlig ausschließende Ideen gleichzeitig zu verfolgen … Erst dann, wenn ich mir beide Komponenten bewusst mache, kann ich darüber staunen – und mich fragen: Ja, was stimmt denn nun, was ist denn nun wirklich meine Position? … Ich denke daher, dieses Gemisch aus Fremdenfeindlichkeit und Demokratiebejahung hat etwas mit der psychischen Verfassung der meisten Menschen zu tun. Und mit der Tatsache, dass sie ihre unterschiedlichen Motive nicht tiefgründig reflektieren. Wer tiefgründig über Fremdenfeindlichkeit nachdenken würde, müsste sie aufgeben: Sie ist einfach zu dumm. Allerdings wird sie uns ja auch nahegelegt von vielen Politikern und Medien, die sich offenkundig wünschen, dass die Wut, die die Verhältnisse hierzulande erzeugen, nach „Außen“ abgelenkt wird, auf die, die nicht oder noch nicht dazugehören, irgendwie „anders“ sind. Hasserfüllte Fremdenfeindlichkeit wie überhaupt jede zerstörerische Aggressivität ist also nicht angeboren, sondern „herbeisozialisiert“ – insbesondere durch die vielfachen Erniedrigungen einer unterdrückend-autoritären Erziehung und Produktionsweise … Wer so aufgewachsen ist – und das gilt zumindest in abgeschwächtem Maße eben für die Mehrzahl von uns –, kam gar nicht umhin, Enttäuschung und Hass in sich anzustauen. Und wenn er diesen Hass nicht psychotherapeutisch „bearbeitet“, braucht er schließlich Ventile, Sündenböcke und Feindbilder, um sich zu orientieren und „Dampf abzulassen“ … Aus meiner Sicht mischt sich also bei PEGIDA – aber natürlich nicht nur dort – seit Kindheit angestaute Wut, die inzwischen von unterdrückenden Autoritäten auf „Fremde“ umgeleitet worden ist, mit realer Existenzunsicherheit sowie nachvollziehbarer Medien- und Politik- bzw. Politikerverdrossenheit … Und damit ist zumindest dieser Teil von PEGIDA ein Abbild unserer gesamten Gesellschaft. Entgegen anderslautender Sprüche ist Deutschland, und zwar in erheblichem Maße, nämlich genau das: PEGIDA. Die Erwachsenen sollten mit verschiedenen Therapieformen an ihrer eigenen destruktiven Gestörtheit arbeiten. Und wir alle miteinander sollten dafür sorgen, dass die nächste Generation erst gar nicht auf die gleiche Weise gestört und destruktiv gemacht wird, wie das bei uns noch der Fall war und ist … Versucht man, die psychische Struktur der Menschen zu ändern, leistet die Gesellschaft Widerstand. Versucht man, die Gesellschaft zu ändern, leisten die Menschen aufgrund ihrer psychischen Struktur Widerstand. Das zeigt, dass keines von beidem allein verändert werden kann. «
Ein beeindruckendes Interview mit Andreas Peglau (Dr. rer. medic.), Dipl.-Psychologe und Psychoanalytiker: http://www.nachdenkseiten.de/?p=26237

Nachahmenswerte Ideen:

Wiederkehrende Hof-, Garten- und Hausflohmärkte in Stadtteilen bzw. Straßenzügen
Gröbenzell macht’s vor: http://hofflohmarkt-groebenzell.de. Natürlich geht es auch ohne Beitragszahlungen, aber eine zentrale Vermittlung des Geschehens ist wünschenswert.

Ein öffentlich nutzbares Brotbackhaus
Professionell gebaut, mit Vorführungen, Lehrveranstaltungen und öffentlichen Backzeiten.
Freising macht’s vor: www.freisinger-backhaus.de.

Schenktage
Alles, was die einen nicht (mehr) brauchen, wird anderen geschenkt, die es brauchen können. Vormittags gebracht, nachmittags geholt. Mit kulturellem Rahmenprogramm.
Transition Town Immenstadt macht’s vor: www.immen-stadtimwandel.de/images/downloads/Aktionstag_Schenken_Flyer.pdf

Freifunk/Freies Internet … Ein WLAN-gestütztes Netzwerk, das uns Bürger kostenfrei verbindet, gibt es in vielen Städten bzw. Stadtteilen auf der Welt. Warum sollte es nicht auch in FFB möglich sein?
„Der Kreissprecher der Piratenpartei will in Germering und Fürstenfeldbruck ein unabhängiges Netz einrichten. Trzoska … engagiert sich in der Initiative Freifunk München, die in der Landeshauptstadt und im Umland ein freies Internet der Bürger etablieren will … Kostenlosen Internetzugang will Ronald Trzoska auch in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Fürstenfeldbrucker Fliegerhorst ermöglichen … das kostenlose Internet ist eigentlich nur ein Nebeneffekt von Freifunk. Die Initiative will vor allem eines erreichen: Ein Internet der Bürger, das nicht von den großen Telekommunikationsnetzwerken abhängig ist. Auch die Daten wären bei der Übertragung geschützt und könnten von den Konzernen nicht mehr eingesehen werden – anders, als es jetzt ist.“ – Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/fuerstenfeldbruck/fuerstenfeldbruck-ideen-fuer-kostenloses-internet-1.2499637
Beispiele anderer Städte: http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/freifunker-wollen-offenes-wlan-netz-in-nrw-schaffen-id10287426.html; https://freifunk-muensterland.de/kommentar-zur-vorlage-digitale-stadt-mu%CC%88nster-wlan-ausbau/; https://freifunk-troisdorf.de/die-stadt-troisdorf-unterstuetzt-den-aufbau-eines-freifunk-netzes/; http://freifunk-aachen.de/

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